Donnerstag, 2. August 2018

Roedvig

Vergangenheitsbewältigung

Hier (Klintholm) wird es allmählich ruhiger, die Deutschen Urlauber kehren heim und unser Kurs ist weiterhin Nord. Unvorstellbar, aber in unserer Tiny ist ein richtiger Haushalt entstanden. Die Abläufe sind schon gut eingespielt, es ist grad sehr gemütlich. Käffeli, Strom, gutes Internet, Schatten...


Wir wollen heute noch nach Røedvig, dort waren wir vor vier Jahren auf dem legendären CCS Turn 3 Nächte im Hafen eingeweht , es hatte Sturm. Für uns ein historischer Ort, denn damals kehrte ich heim und habe Andreas gesagt: „Das Segeln ist nichts für mich! Ich brauche Boden unter den Füssen, will nicht aufs Wasser.“ Er hatte damals schon die Idee, ein Schiff zu bauen. Er sank in sich zusammen, besann sich und antwortete:“Ich werde das Schiff trotzdem bauen, das ist jetzt mal für mich!“ So ist es ja dann auch gekommen.

Die wundersame Wendung, plötzlich war ich im Projekt dabei! Ab Innenausbau war mein Hüttenbau-Trieb angestachelt und dieses kleine, schwimmende Häuschen ist es ja auch, was mir daran gefällt. Man kommt auf diese Weise sehr naturig vorwärts und kommt an zauberhafte Orte.

Wie es uns damals ergangen ist, habe ich (AH) hier in einem Törnbericht für den CCS festgehalten.



Mittwoch, 1. August 2018

Klintholm



So ist Segeln schön!

Nachdem wir gestern so richtig Wind gehabt haben - aus der ziemlich falschen Richtung, haben wir heute, nach Durchzug einer Front, NW-Wind. Das ist immer noch hoch am Wind  für unser nächstes Ziel, aber glücklicher Weise ablandigen Wind: Es entsteht kaum Welle, weil der Wind nur einen kurzen Fetch auf dem Wasser hat (er kann nicht lange einwirken um eine Welle aufzubauen.) So segeln wir bei moderaten Winden ungerefft los. Der Wind lässt aber bald nach, also setzen wir alle drei Segel um überhaupt noch ein wenig Geschwindigkeit zu erreichen. Schliesslich hilft auch das nicht mehr: Der Wind schläft um Mittag ganz ein.
Motor (unter Batterie) an: Wir tuckern in den Hafen von Klintholm ein, der in knalligen Hitze knalle voll ist. So quetschen wir uns noch in eine Lücke, in die die Dickschiffe alle nicht passen, wir aber gerade noch uns hineindrücken können.Tja: Tiny hat Vorteile.


Zum Sonnenuntergang ein Symbol des anhaltenden Ehefriedens: Ein gemeinsames Softeis: Yvonne isst es als Glacé, ich als Eis: Schmecken tut es uns beiden.



Dienstag, 31. Juli 2018

Hesnaes


Yvonne an der Mole mit Wind und Sprühwasser im Hintergrund

20° Lage!


Eigentlich hätte es ganz harmlos sein sollen, ist es auch, wie ich finde, aber für meine kleine Alpen gewohnte, Schweizer Heidi war die Sicht des deutschen Michel überhaupt nicht massgebend! Der Wind pfeift ins Rigg und wir bekommen Lage. (Boot neigt sich auf die Seite). Das erste Mal richtig Wind! Dabei haben wir schon ein Reff im Segel und Yvonne sitzt an der Pinne. Sie schluchst nur noch sichtlich überfordert. Hier wäre die "ist doch alles in Ordnung" - Strategie eine totale Verkennung der seelischen Lage. Also übernehme ich die Pinne, falle ein wenig ab, das Boot richtet sich  wieder auf und spreche ihr anerkennend gut zu. Sie ist ja auch wirklich tapfer.

Eben Tiny: winzig
Der Wind bleibt aber und wir müssen nach Umrundung des Kaps hoch an den Wind, was heisst: Welle ziemlich von vorn (Boot stampft sich von Zeit zu Zeit in den Wellen fest) und zum Wind kommt noch der Fahrtwind, es bläst also ziemlich. Ausserdem kann ich es es nicht lassen und fahre mit einem Dickschiff (34") eine kleine "Regatta". Wir bringen immerhin in den Spitzen 7 kn auf die Logge. Wir werden die "Konkurrenz" im nächsten Hafen als nettes altes Ehepaar antreffen.


Für sie sind diese Wind-verhältnisse noch moderat, wir aber binden Reff II ein und werden langsamer, aber zu Yvonnes Erleichterung aufrechter.
So kommen wir in das kleine Häfchen Hesnaes.
Dort unternehmen wir dann noch einen ausgedehnten Abendspaziergang entlang der Steilküste von Moen, begegnen Dolmen und haben im Hafen Schutz vor Wind und Wetter.





Montag, 30. Juli 2018

Gedser II

Nur Sein




(YH) Heute ist Hafentag, ich bin begeistert. Es ist zauberhaft friedlich hier. Im Hafen ist es still, obwohl doch noch einige Boote hier liegen. Aber es sind moderate Schiffe, keine Bonzenbarken wie in Grömitz. Familien mit Kindern und kleinere Besatzungen. Alle suchen hier die Stille. Die Geräusche sind verhalten, kein Gegröle, keine Motorbootspielzeuge, die im Hafen kreisen.


Der Morgen beginnt mit einem Dauerlauf. Dank meiner Polar-App weiss ich immer, wieviele Kilometer ich schon gelaufen bin. Die Strecke führt mich die Ostsee entlang. Es ist sehr einsam, ein Acker direkt hinter dem Weg an der Küste. Auch hier ist es heiss. Da gönne ich mir einen Unterbruch und tauche in die klare und warme See. Danach ist Schluss mit dem Training. Überwältigt von der Schönheit sitze ich nach dem Bad am Ufer und blicke aufs Meer. Die Seele hat Raum, kann sich über die Weiten ausbreiten. Meine verstorbenen Freundinnen kommen mir in den Sinn. Das Jenseits ist am Meer spürbarer. Tief betroffen und berührt ob der Szenerie kehre ich zu Andreas zurück.

Abends genossen wir dann die Abendstim-mung mit einem kleinen Bad und zwei grossen Hühnergöttern.



EMail-Verkehr wird erledigt
(AH) Mein Hafentag ....

Sonntag, 29. Juli 2018

Gedser I

 Mit vollen Segeln in die Flaute

Früh morgens geht es los - noch nüchtern - sind wir bereits um 7:45 unterwegs. Bald ausserhalb des Hafens wird das Gross gesetzt und dann die Fock ausgerollt. Pah! Ausgerollt - 2 Umdrehungen und dann ist Schluss! Irgendetwas klemmt. Das lässt sich trotz einiger Versuche nicht beheben. Da der Wind nicht zu stark ist, setzen wir also den Genacker. Der ist zwar viel leichter als die Fock, segelt sich aber nicht so leicht. Arme Yvonne an der Pinne - sie geht durch den Wind, der Genacker steht back, es pfeift furchtbar, Boot bekommt Lage und der Mann gibt dezidierte Kommandos, die zum Overload führen: "Mach Du!" Mit Motorhilfe kommen wir wieder auf die richtige Seite und alles ist, wie es soll.
Wir wollen heute 40 sm hinter uns bringen, und der Wind treibt uns nur mit 3 kn voran (das wären dann 40 sm /3 sm/h = 13 h. Aber der Wind schläft nach 1 h ganz ein. Es umweht uns nur noch der Fahrtwind. Das Meer wird glatt und ölig. Auch das Licht wird trüb. Zeit den eigenen Gedanken nachzuhängen.
 Also Segel wieder herunter und Motor an.  Nach 10 h laufen wir in Gedser ein, nachdem wir vorher die Gastlandflagge von DE auf DK gewechselt haben.


Doch der Abend im Hafen entschädigt für alles. Er bildet einen Kontrast zu Grömitz und seinem Touristen-Rummel. Hier herrscht gemütliche Ruhe, das Restaurant gibt ein feines Essen - und wir geniessen den Abend. Anschliessend rechnet mir Yvonne vor, was das gekostet hat. "Na komm, teil die Kronen mal durch 6.5" antworte ich ungläubig. Sie sitzt hinter ihrem Handy: "Ich habe hier einen Wàhrungsrechner" bemerkt sie trocken. Uff, 100 Stutz für ein Essen, das allerdings gut war. Ja "Segeln ist unter der Dusche stehen und 50 €-Scheine zerreissen" - und momentan hat die Dusche auch noch Wassermangel. Egal, es ist zauberhaft, "einfach richtig dänisch" (Yvonne): Wir bleiben auch morgen noch hier.

Samstag, 28. Juli 2018

Grömitz

Der erste Schlag über die Ostsee (20 sm): In aller Frühe starten wir verzagt in den Tag, ob der Wetteraussichten. Nach den Vortagen sollte eine ziemliche Welle stehen. Es dauert dann aber doch noch bis 8:30 bis alles so verstaut ist, dass es auch bei Lage an dem Ort bleibt, wo es hingehört. Dann 12 km die Trave hinab unter Motor.



Die Trave-Woche ist erst morgen zu Ende. Entsprechend gibt es Trubel und Betrieb auch schon am frühen Morgen. Ein alter Holzsegler setzt sich hinter uns mit grossem Getute in Bewegung und überholt uns schliesslich.
Dann ausserhalb des Fahrwassers: "So Yvonne, jetzt stell Tiny mal in den Wind" (Diesmal beschwert sie sich  nicht, dass ich meine Kommandos ohne "Bitte, liebes Herzilein" <smile> gebe. Sie luvt also an, sodass der Bug in Windrichtung zeigt und ich turne nach vorn zum Mast um das Gross(segel) zu setzen (hochzuziehen). Das chaibe Ding will aber nicht. Nach mehreren Versuchen (immer auf halber Höhe geht es plötzlich ganz schwer) sehe ich, dass das Grossfall (an dem man das Segel im Mast hoch zieht) eine Leine des Lazybag (Fangtasche, in die das Segel fällt, wenn man es wieder herunterholt) mit hochzieht. Also kleine Gleichgewichtsaufgabe: Auf schwankendem Boot das Grossfall (wehe es rutscht mir aus der Hand, dann müsste ich es im günstigsten Fall wieder einfangen, im schlechtesten Fall müsste der Mast gelegt werden) um die Leinen des Lazybag fädeln.


Ok, schliesslich ist  das Gross im Reff 2 oben. Reff 2 bei 4 Windstärken? Ja, wir wollen ja vorsichtig anfangen. Yvonne hat auch mit Reff 2 noch lautstärkemässig deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ihr das alles viel zu schräg ist. (Dabei waren das nur 10° in meiner Sicht, in ihrer dagegen 20° Schräglage). Egal, Tiny entpuppt sich als Rennziege! Mit raumem Wind laufen wir bis zu 7.1 kn bei idealen Verhältnissen (am Anfang kaum Welle und blauem Himmel) So winden wir uns durch die Regattafelder der Trave-Woche und Ozeanriesen, die laut ins Horn tuten, um vor sich das Kleinzeug zu vertreiben. Wir sind im Nu im Hafen von Grömitz, wo wir gegen 12:30 einen der letzen freien Liegeplätze finden. Nach dem beschaulichen Abend (Mondfinsternis) im letzten Hafen, sind wir nun mitten in den Tourismus getaucht. (Hafen-WiFi ist teuer und schneckenlangsam, offenbar total überlasstet.)

Glücklicherweise verschlechtert sich das Wetter rapide, sodass ein Festzelt mit üblicher Verstärkeranlage wieder abgebaut werden musste. So sitzen wir nun in unser Tiny und lauschen den von der Kreatur längst ersehnten Regentropfen, die anfangs prasseln, schliesslich nur noch tippeln und jetzt schon fast verstohlen einzeln aufsetzen - und geniessen unser Innenleben: Müde aber glücklich.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Herreninsel II

Schürfwunde bis in Holz
Nach der Havarie in Köln wollen wir doch sehen, wie das Boot von unten aussieht. Also Auskranen.
Und tatsächlich, das Seil hat bis auf das Holz durchgescheuert! Nun gibt es eine Quick and Dirty Reperatur: Mit 2 Komponentenspachtel wird das Loch und die Schürfwunden gestopft. Leider ist die blaue Farbe für den Unterbodenschutz im Boot geblieben, und das schwebt nun über uns in luftiger Höh.


Immerhin positiv: Nachdem das weisse unbehandelte Ruder ziemlich veralgt war, ist die Kupferhaut weitgehend unveralgt geblieben.

Nun fällt aus der Hose der Schlüssel von Heinz Fahrrad! Oh nein! (weiterer Stempel in den Rentnerausweis!) Glücklicher Weise haben wir gestern Wolfgang einen Gartenbauarchitekten und Orgelstimmer als Stegnachbarn kennengelernt. Er fährt mich netter Weise wieder nach Lübeck, um den Schlüssel zurückzubringen und auch noch wieder zurück. Ausserdem hilft er uns beim Setzen des Mastes, was einerseits eine logistische Herausforderung ist: Alle Leinen müssen, wenn der Mast steht frei laufen können. (Keine Verschlingungen) - andererseits auf ordentlich Kraft braucht, um alles recht zu befestigen. Die Arbeit nimmt den ganzen Nachmittag in Anspruch.

Ausserdem kann er eine Geschichte nach der anderen erzählen, alle aus seinem Leben. Seine Frau ist auch in Hannover geboren - 2 Strassen weiter als ich. (Welt  ist stellenweise doch klein) Er wird auch nach Schweden segeln - vielleicht treffen wir ihn wieder.